Weniger ist oft mehr

Einheimische und Gäste wünschen weniger Inszenierung im Alpenraum – das gilt auch für unseren Hofburggarten. 

Für die Südtiroler Wirtschaftszeitung vom 15.01.2019 sprach Simone Treibenreif mit der Betriebsökonomin und Landschaftsplanerin sowie Professorin für Tourismus und Freizeitwirtschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur, Aurelia Kogler, über die Entwicklung des Tourismus im Alpenraum.

Mit freundlicher Genehmigung der SWZ

Das Credo der Professorin lässt sich mit der Formel „less is more“ zusammenfassen. Seit der Jahrtausendwende versuchen nämlich Touristiker die Alpen auch als Sommerdestination attraktiv zu machen, indem sie alpine Erlebnisse inszenieren und damit starke Umsatzsteigerungen erzielen. Seitdem hat eine regelrechte Aufrüstungsspirale eingesetzt, was sich in unzähligen Themenwegen, Abenteuergärten und Freizeitparks niederschlägt. Was vor 20 Jahren als Innovation vom Gast gesucht wurde, stellt sich heute jedoch oft als ein Angebot unter vielen gleichen heraus. Zunehmend werden „naturnahe Erlebnisse Ruhe und Stille zum gefragten Luxus“. Auch wenn es manchen Tourismusbetreibern nicht gefällt, geht es nach der Expertin Kogler mittlerweile in manchen Fällen um eine „Verknappung von Angeboten, indem Kapazitäten bewusst begrenzt werden.“

Die Tourismusgenossenschaft und Gemeinde Brixen hat in den letzten Jahren die Angebote für Touristen sowohl im Winter durch Lichtershows als auch im Frühsommer durch Wasser- und Lichtfestivals deutlich erhöht, zum Leidwesen vieler Brixnerinnen und Brixner, die unter kaum erträglichem Verkehrsaufkommen auf den Zufahrtstraßen, aber auch unter Massenansturm mit entsprechendem Müllaufkommen im Stadtzentrum zu leiden haben.

Auch wenn Kogler die Obergrenze der touristischen Kapazität in Zahlen nicht angeben kann, so spricht sie doch von der Tourismusintensität, dem Verhältnis von Nächtigungen zu Einwohnern in einer Destination, das die Zahl 200 nicht überschreiten sollte. Dabei wird aber der überaus belastende Tagestourismus nicht berücksichtigt. Dieser führt bekanntlich „zu Frust und Ärger in der Bevölkerung und generiert deutlich weniger Wertschöpfung als Aufenthaltstourismus“, so die Expertin.

Was ein durchinszenierter und stark beworbener Garten im Zentrum von Brixen auslösen würde, mögen sich viele Stadtbewohner gar nicht vorstellen. Ein weiterer Verlust an Lebensqualität für die ansässige Bevölkerung wäre wohl nicht zu verhindern.

Dazu meint die Expertin: „Ein Ort lebt von und durch Einheimische – und das nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich und kulturell. Wir wissen, dass sehr viele Reisende den Kontakt mit Einheimischen geradezu suchen, das Gespräch mit den Gastgebern, mit dem Buschauffeur, mit der Kassiererin im Lebensmittelgeschäft … das ist es, was den Charakter eines Ortes mitprägt. (…) Für viele Reisende, die alles schon gesehen haben, ist es eine Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, das „echte“ Leben in einem Ort kennenzulernen – und das macht einen Ort auch unterscheidbar.“

Wir glauben, dass der Hofburggarten, seit über 700 Jahre ein Natur- und Kulturdenkmal im Zentrum von Brixen keiner zusätzlichen Inszenierung bedarf! Daher fordert die Initiative für einen offenen Hofburggarten einen niederschwelligen Zugang in einem möglichst naturnah belassenen Stadtpark, mit Möglichkeiten der Begegnung mit Einheimischen und Gästen nach dem Motto „less is more“!

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