Der Museumsbeirat …

behandelt wohlwollend das Projekt eines Heller-Hofburggartens in Brixen: Eine Vorentscheidung zu Lasten von Erholungswert, Kosten und Denkmalpflege?

Der Museumsbeirat des Landes mit dem zuständigen Landesrat und Landeshauptmann Arno Kompatscher, flankiert von den Abteilungsdirektorinnen Angelika Fleckinger und Karin Dalla Torre hat gestern Abend der Idee eines Hofburggartens in der Gestaltung von André Heller behandelt und mehrheitlich wohlwollend kommentiert. Das ist ein schwer wiegender Vorgriff, da das Projekt des Multi-Media-Künstlers weit eher eine künstlerische und gestalterische Inszenierung darstellt als eine museale Attraktion.

Mehr noch: Mit dem Heller-Projekt würde ein wichtiger Stadtraum von ca. 2,3 ha der kostenfrei zugänglichen und offenen Nutzung durch Bürgerinnen und Bürger entzogen und ein Besuchermagnet (mit Eintritt) geschaffen, der vor allem wirtschaftliche und touristische Effekte nach sich ziehen würde. Es würden zwar Besucher in das Museum Hofburg gelenkt, aber vor allem erhebliche Ströme in den Stadtkern gezogen, mit deutlichem Zugewinn für Handel und Gastgewerbe, aber bei nur mäßigen Vorteilen für die Bürgerschaft. Daher stellen wir namens der Initiativgruppe für einen Offenen Hofburggarten, aber auch vieler Bürgerinnen und Bürger, drei Fragen und Einwände zur Diskussion. Wir wissen, dass der Gemeinderat dem Projekt Heller im Dezember 2017 zwar grundsätzlich zugestimmt hat, bringen uns aber als mündige, informierte und besorgte Bürger*innen mit Nachdruck ein.

  • Trägt die künftige, von Heller geplante Attraktion wirklich musealen Charakter oder ist sie nicht weit mehr ein Anziehungspunkt zur Hebung von Tourismus und Altstadtbesuch? Liegt es in der Kompetenz des Beirats, eine Form der Wirtschaftsförderung zu lancieren, hinter der museale oder anderen Nutzungen deutlich zurück treten? Der geplante Heller-Garten soll – ähnlich wie das „Lumen“ auf dem Kronplatz – zwar kulturell-ästhetische Wirkung entfalten, würde vor allem aber als weiterer wirtschaftlicher Anker- und Anziehungspunkt dienen.
  • Der finanzielle Aufwand für den Heller-Garten ist noch unbestimmt, aber in jedem Fall sehr hoch. Die Kosten werden kaum unter 10 Mio. €, sondern eher darüber liegen. Sie sollen angeblich zu 80% von Seite des Landes bei einem Plafond von ca. 8-10 Mio. € abgedeckt werden, damit würden bei dieser Obergrenze ca. 6,4 bis 8 Mio. € Landesförderung erreicht. Woher käme der Betrag? Würde er bei einer Bindung im Landeshaushalt nicht künftig dem Museumsbereich fehlen? Gibt es Museums- und Denkmalbereich nicht andere, dringlichere Vorhaben, so im Umfeld Brixens den Ausbau der Franzensfeste, die Restaurierung von Schloss Feldthurns u. a. m.? Ist eine solche Zuweisung angesichts der drohenden „Abmagerung“ des Denkmalbudgets vertretbar? Welche Folgekosten werden zur Führung und Instandhaltung anfallen?
  • Sind die Auflagen der Denkmalpflege im Projekt Heller gewährleistet? Die Ideenskizzen und Vorstudien Hellers unterliegen dzt. einer eingehenden Prüfung durch die zuständige Abteilung Denkmalpflege, von der aber bisher noch kein „Grünes Licht“ gekommen ist, da ja noch kein Einreichprojekt vorliegt. In jedem Falle müssten die bisherigen Bindungen der Denkmalpflege stark modifiziert, wenn nicht aufgehoben werden? Hier ist noch zu vieles allzu offen und unbestimmt.

Unsere Initiativgruppe für einen Offenen Hofburggarten hat konkrete Vorschläge für eine Nutzung als Bürgergarten entwickelt und öffentlich vorgestellt. „Unser Garten“ würde als sozialer Raum, als Ort der Muße und Erholung und würdiges Ensemble den Kriterien von Kultur und Denkmalpflege vollauf entsprechen, zudem weit kostengünstiger ausfallen, etwa um 50%

Die mehrheitlich wohlwollende Begutachtung des Beirats hat für ein Gestaltungs-Projekt plädiert, das weit mehr als Treiber für Wirtschaft und Tourismus dienen soll, anstatt Museums- und Erholungszwecken. Aber noch ist nichts entschieden und wir werden mit vielen Bürgerinnen und Bürgern weiterhin nachdrücklich auf die Notwendigkeit eines „Offenen Bürgergartens“ verweisen.

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