Die Profitgier

Im katholischen Sonntagsblatt der Diözese Bozen-Brixen ( Nr. 30 vom 19.Juli 2020) wird groß vom weltweiten Bischofsappell berichtet, der sich gegen ein profitgetriebenes Wirtschaftssystem richtet.

110 Bischöfe aus 30 Staaten haben diesen Appell unterschrieben. Aus Deutschland haben zwölf Bischöfe, aus Italien haben acht unterschrieben, aus Österreich und der Schweiz je vier.

Die Unterschrift unseres Bischofs Ivo Muser suchen wir vergeblich in dieser illustren Liste. Das ist auch nicht verwunderlich, nimmt doch unser Bischof seine eigenen Predigten nicht ernst und handelt nicht danach.

  1. Profitsucht und Geschäftemacherei sind unserer Kurie nicht fremd: Der neue Fruchtgenussvertrag zum Hofburggarten bringt der Kurie fast eine Verdoppelung an Einnahmen im Verhältnis zum vorherigen Mietvertrag.
    Ein so hoher Mietpreis verhindert einen offenen Garten. Die Interessen der einfachen Menschen zählen nicht.
  2. Unser Bischof hat kein Problem damit, dass das eindeutige Siegerprojekt des internationalen Wettbewerbs nicht umgesetzt wird, und dass damit die gesamten Kosten für den Wettbewerb umsonst ausgegeben wurden.
  3. Er hat kein Problem damit, dass der Hofburggarten zwei Sommer lang mit Event-Labyrinten von der Tourismusgenossenschaft missbraucht wird.
  4. Er ist erfreut darüber, dass der Hofburggarten mit Andrè Heller eine „Zukunft“ bekommt und versichert gleichzeitig der Initiative für einen Offenen Hofburggarten seine Neutralität.
  5. Er ist für einen Ort der Ruhe und Schönheit für Brixner und Gäste, und glaubt dies sei am besten mit Heller und einem Bezahl-Garten zu erreichen.
  6. Er hat auch kein Problem Geld von der Gemeinde und somit von den Bürger*innen zu kassieren, obwohl der Garten die meiste Zeit nicht für diese geöffnet wird.

Wir wundern uns darum nicht, dass wir den Namen unseres Bischofs nicht bei der Liste der Erst-Unterzeichner finden. Vielleicht hat er inzwischen ja seine Unterschrift noch angefügt, dann sollte er aber auch beim Hofburggarten danach handeln.

Zur Vertiefung die Fakten:

  • Die Pressemitteilung der CIDSE, ein internationaler Zusammenschluss katholischer Organisationen.
  • Der Aufruf mit den Unterzeichnern (110 Bischöfe).
  • Die Umweltfibel von DE PACE FIDEI u.a. Seite 6
  • Zu Punkt 1: Der Vergleich der jährlichen Miet- und Fruchtgenusskosten.
  • Zu Punkt 5: Im Rahmen des Treffens der 45 am 25.11.2017 Bischof Ivo Muser: „Ort der Schönheit, der Stille, der Begegnung von Natur und Kunst“
  • Zu Punkt 6: Von 2008 -2020 ~ 12 Jahre Miete, insgesamt nur 330 Tage offen, davon 173 nur gegen Bezahlung für die beiden Labyrinthe. Wird der Heller-Garten realisiert, ist laut Museumsbeirat mit weiteren 5 Jahren Bauzeit zu rechnen.
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Hermann Barbieri
Hermann Barbieri
11 Tage zuvor

Die Katholische Kirche ist voller Widersprüche, das ist nichts Neues. Die Causa Hofburggarten ist dabei nur ein Aspekt. Es gibt auch andere: Was ist zum Beispiel zur sogenannten Zugangskontrolle mittels Eintrittskarte zu sagen? Diese Kontrolle trennt die Spreu vom Weizen. Vorauszusehen ist, dass alle draußen bleiben, die rein möchten, aber den Eintritt nicht bezahlen können, also BettlerInnen, Obdachlose, AsylbewerberInnen, Migranten ohne Papiere. Viele aus diesen Gruppen kommen ja von anderen Gemeinden. Die Brixner Gemeindeverwaltung vertritt die Meinung, dass diese Menschen das Stadtbild stören und verhält sich danach. Sie setzt diese Meinung ja schon seit Jahren konsequent mit restriktiven und ausgrenzenden Maßnahmen um: 2011 und 2016 mit der Bettel- und Verweilordnung, 2020 mit dem Daspo, Räumungsaufforderung und Zugangsverbot zu sensiblen Zonen. Auch sagt man, man möchte die angeblich schlimme Erfahrung mit dem Herrengarten nicht im Hofburggarten wiederholen. Bei einer Regelung mit freiem Zugang befürchtet Bürgermeister Brunner schon 2018 als Folge „Probleme mit Clochards, Hundekot, usw.“ Alles in einem Satz und zitiert aus STZ-24.07.2018. Ich muss nicht einverstanden sein mit dieser Denk- und Herangehensweise, komme aber auch nicht umhin festzustellen, dass Denken und Handeln folgerichtig sind.

Die Kirche denkt und verkündet da ganz Anderes:
In der Handreichung der Diözese„Vom Umgang mit bettelnden Menschen“ ist zu lesen, dass Jesus dazu einlädt, im armen Menschen ihn selbst zu erkennen (MT. 25,35). Das ist wohl eine tragendes Element der Frohen Botschaft und die Basis von mehr als nur der christlichen Ethik.
Die Äußerungen des Bischofs in diesem Sinne sind recht zahlreich, man braucht nur auf der Seite der Diözese in den „Texten des Bischofs“ blättern und man wird ziemlich in allen fündig.(www.bz-bx.net/de/bischof/texte-des-bischofs.html). Empfehle zur Lektüre den Hirtenbrief zum 3. Fastensonntag, Tag der Solidarität, 15. März 2020. Dem Grundtenor dieser Botschaft folgend wendet sich die Caritas gegen jede Form von Bettelverbot, denn wenn wir im Armen Jesus begenen „gibt es kein Recht auf ein gepflegtes und armutsfreies Stadtbild.“ (http://www.caritas.bz.it/fileadmin/Caritas/Bilder/Themen/2017_01_18_Bettelverbot_PP_dt_web.pdf).
Gibt es ein Recht auf ein armutsfreies öffentliches Grün? Ich muss die Evangelientexte ja nicht mittragen, sie können tatsächlich beunruhigen und verunsichern. Ich komme aber nicht umhin festzustellen, dass in diesem Falle Verkündigung und Praxis auseinanderklaffen.

Wenn das mit der Eintrittskarte wie geplant eingeführt wird, werden im Hofburggarten Menschen aufgrund ihrer Armut ausgegrenzt werden. Punkt. Unter den Augen und mit dem Segen des kirchlichen Eigentümers und aufgrund eines guten Geschäftes.

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